Gerade in Zeiten einer auf breiter Front angeschlagener Wirtschaft, wie wir sie gerade erleben, erscheint vielen der Schritt in die Selbstständigkeit als einzige Alternative zu Arbeitslosigkeit und Armut. Das ist in vielen Fällen sicher ein vernünftiger Gedanke. Manche machen allerdings den Fehler, den damit verbundenen Aufwand gewaltig zu unterschätzen. Das kann zu verschiedenen Problemen führen. Möglicherweise stellt man fest, dass man wesentlich mehr arbeiten musste, als man dachte, um über die Runden zu kommen. Das ist zwar unschön, an sich aber noch nicht dramatisch. Wenn man bereit ist, das Nötige zu tun, etwa statt eines Acht-Stunden-Tages auch zehn oder mehr Stunden täglicher Arbeit auf sich zu nehmen, steht in dieser Hinsicht dem Erfolg nichts im Weg. Viel schlimmer wirken sich die versteckten Kosten aus, die man als Anfänger gerne übersieht. Wenn man von Anfang an diese Kosten in seiner Kalkulation nicht berücksichtigt, können sie schnell das Aus bedeuten - egal, wie fleißig man ist. Betrachten wir das einmal an einem Beispiel. Nehmen wir an, eine Person möchte in Zukunft ihren Lebensunterhalt per Nachhilfeunterricht verdienen. Das erste Problem: Da die meisten potentiellen Schüler vormittags Schule haben und nachts schlafen müssen, bleiben nur der Nachmittag und der Abend als mögliche Termine. Wenn unser Nachhilfelehrer in spe gut ist, schafft er es, in dieser Zeit fünf Stunden am Tag zu geben, einige wenige Schüler sind bereit, auch am Wochenende zu lernen. Möglicherweise gelingt es ihm also, dreißig Stunden in der Woche zu geben. Um die Konkurrenz zu unterbieten und schnell Schüler zu gewinnen, nimmt er zehn Euro pro Stunde. Dreihundert Euro in der Woche, das sind im Schnitt etwa 1300 Euro im Monat - davon sollte er ja leben können, selbst wenn er 700 Euro für Miete ausgibt. Was hat er dabei vergessen? Nun, zunächst einmal die allgemeine Pflicht zur Krankenversicherung, die inzwischen auch für Selbstständige gilt. Hier sind mehrere hundert Euro im Monat fällig - selbst wenn er daran gedacht hat, sich privat zu versichern und einen gründlichen PKV-Vergleich durchzuführen. Eine Private Krankenversicherung bietet wenigstens die Freiheit, den Beitrag unabhängig vom Einkommen zu gestalten. Als nächstes streikt plötzlich sein Auto. Ohne Auto wird es ihm aber nicht gelingen, innerhalb von zehn Minuten von einem Schüler zum nächsten zu gelangen. Er muss also viel Geld für eine Reparatur ausgeben oder die Anzahl seiner Schüler (und damit sein Einkommen) reduzieren - ein Teufelskreis. Der frischgebackene Selbstständige muss erkennen, dass sein Geld hinten und vorne nicht ausreicht. Dabei sind viele Dinge, wie etwa die Altersvorsorge, noch gar nicht berücksichtigt. Nun wird ihm klar, dass die Konkurrenz nicht ohne Grund teurer ist. Die wird nämlich noch im Geschäft sein, wenn er selbst sich längst pleite gearbeitet hat.